Blog Startseite / Erlebnisse & Events

    Natur ist für alle da

    Laila Weigl
    Laila Weigl

    Ein Gespräch mit Anthony Owosekun, dem Gründer von EMPOCA, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Berlin, die Schwarzen Kindern und Jugendlichen mit Outdoor-Camps, Gemeinschaftserlebnissen und geschützten Räumen den Zugang zur Natur ermöglicht.

    Es gibt Fragen, die auf den ersten Blick sehr einfach erscheinen.

    Für wen ist die Natur?
    Wer fühlt sich dort willkommen?
    Wem gehören Wälder, Seen, Berge, Wege?

    Und dann gibt es Antworten, die zeigen, wie viel tiefer diese Fragen tatsächlich gehen.

    Bei der Marke GORE-TEX® sind wir davon überzeugt, dass es beim Zugang zur Natur nicht nur um Produkte, Performance oder Schutz geht. Es geht auch darum, zu verstehen, wer sich in der Natur willkommen und sicher fühlt – und was sich verändern muss, damit mehr Menschen Natur unbeschwert erleben und ihren Platz draußen finden können.

    Deshalb war es uns ein Anliegen, Organisationen wie EMPOCA zu unterstützen: Wir wollten zuhören, lernen und besser verstehen, wie sinnvolles Social Sponsoring aussehen kann, wenn die eigentliche Arbeit bereits von den Communitys selbst geleistet wird.

    Darüber durfte ich mit Anthony Owosekun, dem Gründer von EMPOCA, sprechen. EMPOCA ermöglicht Schwarzen Kindern und Jugendlichen mit Outdoor-Camps, Bildungsangeboten und dem Black Nature Heroes Programm ihren Platz in der Natur zu finden. Die unterschiedlichen Formate verbinden Naturerfahrungen, Gemeinschaftserlebnisse, Empowerment und mentale Gesundheit – in speziell geschaffenen Räumen, in denen Vertrauen und das Gefühl der Zugehörigkeit im Mittelpunkt stehen.

    Was ich besonders aus unserem Gespräch mitgenommen habe: Wir sprachen über die Natur, aber schon sehr schnell ging es um etwas viel Grundlegenderes: um Zugehörigkeit. Darüber, was geschehen muss, damit Menschen nicht nur draußen in der Natur sind, sondern das Gefühl haben, tatsächlich dort hinzugehören.

     

    Wenn Zugang nicht dasselbe ist wie Zugehörigkeit

    Anthony erzählte mir von einem prägenden Moment aus seiner Kindheit. Er war etwa zehn Jahre alt, als er zu den Pfadfindern kam. Zu Beginn fühlte sich das unglaublich vielversprechend an: Natur, Sterne, Abenteuer, andere Kinder, ein Sommer, der mehr zu bieten hatte, als nur wochenlang zu Hause herumzusitzen.

    Er fühlte sich wohl in der Natur. Die Sterne, die Stille, die Neugier, das Lernerlebnis außerhalb der Schule. Gleichzeitig aber verspürte er in dem dort gegebenen sozialen Umfeld eine gewisse Unsicherheit.

    Er bemerkte, dass er nicht die gleiche Ausrüstung hatte wie viele andere Kinder. Dann die Fragen: Woher kommst du? Nein, woher kommst du wirklich? Woher kommen deine Eltern?

    Für manche Menschen mögen diese Fragen harmlos klingen. Neugierig, vielleicht sogar gut gemeint. Wer ständig die Erfahrung macht, „anders“ zu sein, fühlt sich damit immer wieder aufs Neue in Frage gestellt. Das macht etwas mit dir. Plötzlich bist du nicht mehr nur ein Kind in einem Feriencamp. Alles wird zu einer Art Rechtfertigung. Es geht um deine Familiengeschichte. Um deine Identität, die andere für dich festschreiben.

    Anthony beschrieb mir, wie er diese Momente körperlich spürte: Der Körper verkrampft sich. Die Schultern spannen sich an. Der Atem verändert sich. Als Kind versuchst du vielleicht, dich anzupassen, höflich zu bleiben und nicht aufzufallen. Von außen betrachtet misst man der Situation keine große Bedeutung bei. Dem Körper bleibt sie trotzdem in Erinnerung.

    Diese Erfahrung wurde für Anthony zu einem Schlüsselmoment. Die Natur selbst war für ihn ein Ort, an dem er sein wollte. Doch das Umfeld stand ihm dabei im Weg. Der Wald war nicht das Problem. Es waren die sozialen Normen.

     

    Warum Safer Spaces wichtig sind

    Hierin liegt die tiefere Bedeutung von EMPOCA.

    Rechts: Anthony Owosekun, Gründer von EMPOCA

     

    EMPOCA schafft keine Safer Spaces, um die Natur exklusiv erlebbar zu machen. Die geschützten Räume sind dazu da, dass junge Schwarze Menschen die Natur erleben können, ohne sich vorher erklären, verteidigen oder verstellen zu müssen. Es sind Räume, in denen erlebter Rassismus gegen Schwarze, Ausgrenzung und ständige Wachsamkeit von Anfang an verstanden werden.

    Dazu gehört auch das Verständnis, dass es unterschiedliche Erfahrungen gibt. Es gibt Menschen mit dunklerer Haut, Menschen mit hellerer Haut, Menschen gemischter Herkunft und Menschen, die als weiß wahrgenommen werden. Es gibt Menschen mit familiären Wurzeln in Afrika, der Karibik, Nordamerika, Südamerika und vielen anderen Communities mit Migrationsgeschichte. Es gibt Menschen, die in Deutschland sozialisiert wurden, und Menschen, deren Eltern oder Großeltern ganz andere kulturelle Hintergründe mitbringen.

    Auch wenn die individuellen Erfahrungen sehr unterschiedlich sind, gibt es laut Anthony wiederkehrende Themen rund um Zugehörigkeit, Identität und Sichtbarkeit, die viele Teilnehmer*innen im Rahmen der EMPOCA-Programme ansprechen.

    Sie erleben das immer wieder. Manchmal offen, manchmal subtil. In öffentlichen Einrichtungen, in Klassenzimmern, auf Spielplätzen, in der Natur.

     

    Mentale Gesundheit als tägliche Übung

    Anthony erzählte auch, wie EMPOCA den Tagesablauf strukturiert. Der Morgen beginnt oft mit einem Achtsamkeitskreis. Die Kinder und Nature Heroes gehen dabei in sich: Wie geht es mir heute hier? Wie fühlt sich mein Körper an? Was machen meine Schultern? Was brauche ich?

    Das ist nicht nur eine kognitive, sondern auch eine körperliche Bestandsaufnahme. Ein einfacher, fast radikaler Akt der Wahrnehmung: Ich bin hier. Mein Körper ist hier. Ich darf spüren, wie es mir geht.

    Dabei gibt es kleine Rituale: Verspannungen ausschütteln, Übungen zur Körperwahrnehmung, Atemübungen, Klangmeditationen. Manchmal tragen die Kinder Schlafmasken und hören einfach nur zu. Zuerst eine Minute, dann jeden Tag ein bisschen länger. Was nehme ich wahr? Vögel. Wind. Blätter. Schritte. Stille.

    Laut Anthony gehören diese Übungen oft zu den Dingen, die die Kinder am meisten genießen. Vielleicht, weil viele von ihnen diese Art von Stille nur selten erleben. Kein Handy. Kein Zucker. Kein ständiger Lärm von außen. Einfach nur zuhören. Einfach nur spüren. Einfach nur da sein.

     

    Und plötzlich wird die Natur greifbar.

    Die Natur wird zum Erlebnis: Ich kann das Rauschen der Blätter hören. Ich kann meinen Atem spüren. Ich kann still sein, und bin trotzdem noch da.

    Abends bieten Kleingruppen noch mehr Raum zur Selbstreflexion. Welche Emotionen habe ich heute erlebt? Freude, Wut, Scham, Stolz, Angst, Ruhe, Überforderung? Emotionen benennen zu können, ist eine Form des Lernens. Wenn Kinder eine Sprache für ihre innere Welt finden, verändert sich langsam ihre Selbstwahrnehmung.

    Das ermöglicht Selbstregulierung. Körperbewusstsein. Zugehörigkeit. Die Erfahrung, dass dein Körper nicht ständig wachsam sein muss.

     

    Was das für die Outdoor-Branche bedeutet

    Wenn wir in der Outdoor-Branche über Inklusion sprechen, genügt es nicht, Menschen in die Natur zu holen. Wir müssen uns fragen, was passiert, wenn sie dort sind.

    Wer fühlt sich willkommen?
    Wer fühlt sich beobachtet?
    Wer kann einfach nur dabei sein, ohne erklären zu müssen, wer er ist oder warum er da ist?

    Genau hierin liegt das große Verdienst von Organisationen wie EMPOCA. Sie schaffen nicht nur Naturerlebnisse. Sie schaffen Vertrauen. Sie verstehen die Zwischentöne, die Konflikte und die emotionale Dimension, die darüber entscheiden, ob sich jemand willkommen oder ausgegrenzt fühlt.

     

    Marken und Partner müssen hier eine umsichtige Rolle einnehmen.

    Ihnen darf es nicht darum gehen, die Community von außen zu definieren oder komplexe Erlebnisse auf einfache Narrative zu reduzieren. Sondern darum, zuzuhören, zu unterstützen und Bedingungen zu schaffen, in denen mehr Menschen die Natur unbeschwert, mit Freude und einem Gefühl der Zugehörigkeit erleben können.

    Das kann bedeuten, Ressourcen bereitzustellen oder bereits vorhandenes Engagement sichtbar zu machen. Es kann bedeuten, von Community-Organisationen zu lernen, bevor man entscheidet, wie Inklusion aussehen sollte. Denn der Zugang zur Natur ist nicht nur ein Angebot. Es ist eine gemeinsame Verantwortung.

     

    Ein Ort zum Ankommen

    EMPOCA zeigt, dass Natur viel mehr sein kann als Freizeit, Sport oder Abenteuer. Sie kann zu einem Ort werden, an dem sich junge Menschen wieder spüren. Ein Ort der Leichtigkeit, Freiheit, Selbstliebe, Begeisterung, Stille, Gemeinschaft und Heilung.

    Ein Ort, an dem ein Kind nicht gefragt wird, woher es ursprünglich kommt, sondern wie es ihm heute hier geht. Vielleicht beginnt echte Inklusion genau dort. Mit einem Kind, das im Wald sitzt, die Augen geschlossen hat und zum ersten Mal bemerkt: Ich kann sogar das Rauschen der Blätter hören.

     

    Natur ist für alle da 

    EMPOCA zeigt, dass Natur viel mehr sein kann als Freizeit, Sport oder Abenteuer. Sie kann ein Ort sein, an dem junge Menschen Gemeinschaft, Selbstvertrauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit finden. Mehr über Anthonys Arbeit und die Programme von EMPOCA erfährst du auf EMPOCA.org und auf dem Instagram-Kanal von EMPOCA.

    The EMPOCA Team
    Laila Weigl Laila Weigl

    Laila Weigl

    Laila liebt und lebt Social Media, besonders für die Marke GORE-TEX. Wenn sie nicht gerade ihrer Leidenschaft zum Schreiben nachgeht, ist sie wahrscheinlich in den Bergen oder mit ihren beiden Kindern in Aktion. Ob beim Yoga, Mountainbiken oder Wandern - Laila liebt das Abenteuer.

    Alle Artikel von diesem Autor